Die Erschließung von Zahlungsmöglichkeiten beim Laden von Elektrofahrzeugen: Vom Bezahlvorgang des Fahrers bis zu den Einnahmen des Betreibers
Das Bezahlen des Ladevorgangs eines Elektrofahrzeugs scheint einfach. Man fährt vor, schließt das Auto an, tippt eine Karte oder eine App an und kann losfahren. Doch hinter diesem simplen Tippen verbirgt sich eine komplexe Welt aus Technologie, Geschäftsstrategien und wichtigen Entscheidungen.
Für einen Fahrer ist es wichtig zu wissen, dassWie bezahlt man das Laden von Elektrofahrzeugen?Es geht um Bequemlichkeit. Doch für einen Geschäftsinhaber, Flottenmanager oder Betreiber einer Ladestation ist das Verständnis dieses Prozesses der Schlüssel zum Aufbau eines profitablen und zukunftssicheren Unternehmens.
Wir lüften den Schleier. Zuerst stellen wir die gängigen Zahlungsmethoden vor, die jeder Fahrer nutzt. Anschließend tauchen wir tief in die Strategien der Betreiber ein – eine detaillierte Betrachtung der Hardware, Software und Vorgehensweisen, die für den Aufbau eines erfolgreichen Ladenetzwerks erforderlich sind.
Teil 1: Der Leitfaden für Autofahrer – 3 einfache Zahlungsmöglichkeiten für eine Gebühr
Als Fahrer eines Elektrofahrzeugs stehen Ihnen mehrere einfache Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die meisten modernen Ladestationen bieten mindestens eine der folgenden Methoden an, wodurch der Ladevorgang reibungslos und planbar verläuft.
Methode 1: Die Smartphone-App
Die gängigste Zahlungsmethode ist die Nutzung einer speziellen mobilen App. Jedes große Ladenetzwerk, wie Electrify America, EVgo und ChargePoint, bietet eine eigene App an.
Der Vorgang ist unkompliziert. Sie laden die App herunter, erstellen ein Konto und verknüpfen eine Zahlungsmethode wie Kreditkarte oder Apple Pay. An der Ladestation angekommen, scannen Sie mit der App einen QR-Code am Ladegerät oder wählen die Stationsnummer auf einer Karte aus. Der Ladevorgang startet, und die App stellt Ihnen die Kosten automatisch in Rechnung, sobald Sie fertig sind.
•Vorteile:Einfache Nachverfolgung Ihrer Rechnungshistorie und Ausgaben.
•Nachteile:Wenn Sie mehrere Ladenetzwerke nutzen, benötigen Sie möglicherweise mehrere verschiedene Apps, was zu einer „App-Müdigkeit“ führen kann.
Methode 2: Die RFID-Karte
Für alle, die eine physische Zahlungsmethode bevorzugen, ist die RFID-Karte (Radio-Frequency Identification) eine beliebte Wahl. Es handelt sich dabei um eine einfache Plastikkarte, ähnlich einer Hotelzimmerkarte, die mit Ihrem Mobilfunkkonto verknüpft ist.
Statt umständlich mit dem Smartphone zu hantieren, halten Sie einfach die RFID-Karte an eine dafür vorgesehene Stelle des Ladegeräts. Das System erkennt Ihr Konto sofort und startet den Ladevorgang. Dies ist oft die schnellste und zuverlässigste Methode, einen Ladevorgang zu starten, insbesondere in Gebieten mit schlechtem Mobilfunkempfang.
•Vorteile:Extrem schnell und funktioniert ohne Telefon- oder Internetverbindung.
•Nachteile:Man benötigt für jedes Netzwerk eine separate Karte, und diese können leicht verloren gehen.
Methode 3: Kreditkarte / Kontaktloses Bezahlen
Die gängigste und benutzerfreundlichste Option ist die direkte Kreditkartenzahlung. Neuere Ladestationen, insbesondere DC-Schnellladestationen an Autobahnen, sind zunehmend mit Standard-Kreditkartenlesegeräten ausgestattet.
Das funktioniert genauso wie an einer Zapfsäule. Sie können Ihre kontaktlose Karte auflegen, die mobile Geldbörse Ihres Smartphones nutzen oder Ihre Chipkarte einführen. Diese Methode ist ideal für Autofahrer, die keine Mitgliedschaft abschließen oder eine zusätzliche App herunterladen möchten. Das NEVI-Förderprogramm der US-Regierung schreibt diese Funktion nun für neue, staatlich geförderte Ladestationen vor, um die Barrierefreiheit zu verbessern.
•Vorteile:Keine Anmeldung erforderlich, allgemein verständlich.
•Nachteile:Noch nicht an allen Ladestationen verfügbar, insbesondere nicht an älteren Level-2-Ladegeräten.
Teil 2: Der Leitfaden für Betreiber – Aufbau eines profitablen Bezahlsystems für das Laden von Elektrofahrzeugen
Nun wechseln wir die Perspektive. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen Ladegeräte installieren, stellt sich die Frage:Wie bezahlt man das Laden von Elektrofahrzeugen?Es wird deutlich komplexer. Sie müssen ein System entwickeln, das die einfache Bedienung durch den Fahrer ermöglicht. Ihre Entscheidungen wirken sich direkt auf Ihre Vorlaufkosten, Ihre Betriebseinnahmen und die Kundenzufriedenheit aus.
Die Wahl Ihrer Waffen: Die Entscheidung für die Ausrüstung
Die erste wichtige Entscheidung betrifft die Wahl der Zahlungshardware für Ihre Ladegeräte. Jede Option bringt unterschiedliche Kosten, Vorteile und Komplexitäten mit sich.
•Kreditkartenterminals:Die Installation eines EMV-zertifizierten Kreditkartenlesegeräts gilt als Goldstandard für das Bezahlen an öffentlichen Kassen. Diese Terminals von renommierten Herstellern wie Nayax oder Ingenico bieten den von Kunden erwarteten universellen Zugang. Sie sind jedoch die teuerste Option und erfordern die Einhaltung der strengen PCI-DSS-Richtlinien (Payment Card Industry Data Security Standard) zum Schutz der Karteninhaberdaten.
•RFID-Lesegeräte:Diese Ladestationen stellen eine kostengünstige Lösung dar, insbesondere für private oder halböffentliche Bereiche wie Büros oder Wohngebäude. Sie können ein geschlossenes System einrichten, in dem nur autorisierte Mitglieder mit der RFID-Karte Ihres Unternehmens Zugriff auf die Ladestationen haben. Dies vereinfacht die Verwaltung, schränkt aber den öffentlichen Zugang ein.
•QR-Code-Systeme:Dies ist der kostengünstigste Einstiegspunkt. Ein einfacher, robuster QR-Code-Aufkleber auf jedem Ladegerät leitet die Nutzer zu einem Webportal weiter, wo sie ihre Zahlungsinformationen eingeben können. Dadurch entfallen die Kosten für die Zahlungshardware, allerdings ist der Nutzer selbst dafür verantwortlich, ein funktionierendes Smartphone und eine Internetverbindung zu besitzen.
Die meisten erfolgreichen Anbieter verfolgen einen hybriden Ansatz. Durch das Angebot aller drei Methoden wird sichergestellt, dass kein Kunde abgewiesen wird.
| Zahlungshardware | Vorabkosten | Benutzererfahrung | Operatorkomplexität | Bester Anwendungsfall |
| Kreditkartenlesegerät | Hoch | Exzellent(Universeller Zugang) | Hoch (PCI-Konformität erforderlich) | Öffentliche DC-Schnellladestationen, Einzelhandelsstandorte |
| RFID-Lesegerät | Niedrig | Gut(Fasten für Mitglieder) | Mittel (Benutzer- und Kartenverwaltung) | Arbeitsplätze, Wohnungen, Fuhrparkdepots |
| Nur QR-Code | Sehr niedrig | Gerecht(Abhängig vom Telefon des Nutzers) | Niedrig (hauptsächlich softwarebasiert) | Niedrig frequentierte Level-2-Ladestationen, kostengünstige Installationen |
Das Herzstück des Betriebs: Zahlungsabwicklung & Software
Die physische Hardware ist nur ein Teil des Puzzles. Die im Hintergrund laufende Software ist es, die Ihre Abläufe und Umsätze tatsächlich steuert.
•Was ist ein CSMS?Das Ladestations-Managementsystem (CSMS) ist Ihre zentrale Steuereinheit. Es handelt sich um eine cloudbasierte Softwareplattform, die mit Ihren Ladestationen verbunden ist. Über ein einziges Dashboard können Sie Preise festlegen, den Stationsstatus überwachen, Benutzer verwalten und Finanzberichte einsehen.
•Zahlungsportale:Wenn ein Kunde mit Kreditkarte zahlt, muss diese Transaktion sicher abgewickelt werden. Ein Zahlungsportal wie Stripe oder Braintree fungiert dabei als sicherer Vermittler. Es empfängt die Zahlungsinformationen vom Händler, kommuniziert mit den Banken und überweist den Betrag auf Ihr Konto.
•Die Macht von OCPP:DerOpen Charge Point Protocol (OCPP)OCPP ist die wichtigste Abkürzung, die Sie kennen sollten. Es handelt sich um eine offene Sprache, die die Kommunikation zwischen Ladegeräten und Managementsoftware verschiedener Hersteller ermöglicht. Die Verwendung von OCPP-konformen Ladegeräten ist unerlässlich. Dadurch können Sie Ihre CSMS-Software in Zukunft problemlos wechseln, ohne Ihre gesamte teure Hardware austauschen zu müssen, und sind nicht an einen einzigen Anbieter gebunden.
Preisstrategien und Umsatzmodelle
Sobald Ihr System eingerichtet ist, müssen Sie sich entscheiden.Wie bezahlt man das Laden von Elektrofahrzeugen?Die von Ihnen angebotenen Dienstleistungen. Eine intelligente Preisgestaltung ist der Schlüssel zur Rentabilität.
•Pro kWh (Kilowattstunde):Dies ist die fairste und transparenteste Methode. Sie berechnen den Kunden genau die Menge an Energie, die sie verbrauchen, genau wie das Elektrizitätsunternehmen.
•Pro Minute/Stunde:Das zeitbasierte Laden ist einfach umzusetzen. Es wird häufig genutzt, um die Parkplatzrotation zu fördern und zu verhindern, dass vollgeladene Autos einen Parkplatz blockieren. Allerdings kann es sich für Besitzer von Elektrofahrzeugen, die langsamer laden, unfair anfühlen.
•Sitzungsgebühren:Sie können zu Beginn jeder Ladesitzung eine kleine, pauschale Gebühr zur Deckung der Transaktionskosten hinzufügen.
Um maximale Umsätze zu erzielen, sollten Sie fortgeschrittene Strategien in Betracht ziehen:
•Dynamische Preisgestaltung:Passen Sie Ihre Preise automatisch an die Tageszeit oder die aktuelle Stromnetzauslastung an. Berechnen Sie höhere Preise während der Spitzenzeiten und bieten Sie Rabatte außerhalb der Spitzenzeiten an.
•Mitgliedschaften & Abonnements:Bieten Sie ein monatliches Abonnement zu einem festen Preis oder zu ermäßigten Konditionen an. Dadurch entsteht eine planbare, wiederkehrende Einnahmequelle.
•Leerlaufgebühren:Dies ist eine entscheidende Funktion. Erheben Sie automatisch eine Gebühr pro Minute für Fahrer, die ihr Fahrzeug nach Abschluss des Ladevorgangs angeschlossen lassen. So bleiben Ihre wertvollen Ladestationen für den nächsten Kunden verfügbar.
Mauern einreißen: Interoperabilität und Roaming
Stellen Sie sich vor, Ihre Bankkarte würde nur an den Geldautomaten Ihrer eigenen Bank funktionieren. Das wäre äußerst unpraktisch. Dasselbe Problem besteht beim Laden von Elektrofahrzeugen. Ein Fahrer mit einem ChargePoint-Konto kann beispielsweise nicht ohne Weiteres eine EVgo-Ladestation nutzen.
Die Lösung heißt Roaming. Roaming-Plattformen wie Hubject und Gireve fungieren als zentrale Anlaufstellen für die Ladebranche. Indem Sie Ihre Ladestationen an eine Roaming-Plattform anbinden, machen Sie sie für Fahrer aus Hunderten anderer Netzwerke zugänglich.
Wenn ein Kunde im Roaming-Netzwerk an Ihrer Station ein Ladekabel anschließt, identifiziert der Hub ihn, autorisiert die Gebühr und wickelt die Abrechnung zwischen seinem Heimnetzwerk und Ihrer Station ab. Durch die Teilnahme an einem Roaming-Netzwerk vervielfacht sich Ihr potenzieller Kundenstamm und Ihre Station wird für Tausende weitere Fahrer sichtbar.
Die Zukunft ist automatisiert: Plug & Charge (ISO 15118)
Die nächste Evolutionsstufe inWie bezahlt man das Laden von Elektrofahrzeugen?Der Vorgang wird dadurch völlig unsichtbar. Diese Technologie heißt Plug & Charge und basiert auf einem internationalen Standard, der als … bekannt ist.ISO 15118.
So funktioniert es: Ein digitales Zertifikat mit der Fahrzeugidentität und den Abrechnungsinformationen wird sicher im Auto gespeichert. Beim Anschließen des Autos an ein kompatibles Ladegerät führen Auto und Ladegerät einen sicheren digitalen Datenaustausch durch. Das Ladegerät identifiziert das Fahrzeug automatisch, autorisiert die Sitzung und belastet das hinterlegte Konto – keine App, Karte oder Smartphone erforderlich.
Automobilhersteller wie Porsche, Mercedes-Benz, Ford und Lucid integrieren diese Funktion bereits in ihre Fahrzeuge. Für Betreiber ist die Investition in Ladegeräte, die den ISO-15118-Standard unterstützen, daher unerlässlich. Sie sichern Ihre Investition für die Zukunft und machen Ihre Ladestation zu einem attraktiven Anlaufpunkt für Besitzer der neuesten Elektrofahrzeuge.
Zahlung ist mehr als nur eine Transaktion – sie ist Ihr Kundenerlebnis
Für einen Fahrer ist das ideale Zahlungserlebnis eines, über das er sich keine Gedanken machen muss. Für Sie als Betreiber ist es ein sorgfältig konzipiertes System, das auf Zuverlässigkeit, Flexibilität und Rentabilität ausgelegt ist.
Die Erfolgsstrategie ist klar: Bieten Sie flexible Zahlungsoptionen (Kreditkarte, RFID, App) an, um jeden Kunden optimal zu bedienen. Bauen Sie Ihr Netzwerk auf einer offenen, nicht-proprietären Plattform (OCPP) auf, um Ihre Zukunft selbst in der Hand zu haben. Und investieren Sie in Hardware, die für die automatisierten, nahtlosen Technologien von morgen gerüstet ist (ISO 15118).
Ihr Zahlungssystem ist mehr als nur eine Kasse. Es ist die wichtigste digitale Schnittstelle zwischen Ihrer Marke und Ihren Kunden. Indem Sie es sicher, einfach und zuverlässig gestalten, schaffen Sie das Vertrauen, das Fahrer immer wieder zu Ihnen zurückbringt.
Autoritative Quellen
1. Standards des Nationalen Programms für die Infrastruktur von Elektrofahrzeugen (NEVI):US-Verkehrsministerium. (2024).Endgültige Regelung: Nationale Standards und Anforderungen für die Infrastruktur von Elektrofahrzeugen.
•Link: https://www.fhwa.dot.gov/environment/nevi/
2.Payment Card Industry Data Security Standard (PCI DSS):PCI Security Standards Council.PCI DSS v4.x.
•Link: https://www.pcisecuritystandards.org/document_library/
3.Wikipedia - ISO 15118
Veröffentlichungsdatum: 27. Juni 2025

